Im blauen Kleid zur Kinderkommunion … oder … Trau Dich aus der Reihe zu tanzen

Ausschnitt Kleid Kommunion

Ich erinnere mich als wäre es gestern gewesen. Meine Mutter zog Wochen vor meiner Kommunion mit mir durch Münster von Geschäft zu Geschäft auf der Suche nach DEM Kleid.

Ich gestehe, ich war als Kind schon nicht die Shopping-Queen. Damals wie heute ist Klamotten kaufen für mich eine Pflicht und nicht die Kür! Eigentlich merkwürdig, denn meine Mutter ist ausgebildete Bekleidungsfachverkäuferin (oder wie auch immer sich das 1981 geschimpft hat) Und das war auch das, was ich als Kind in meinem Zimmer immer gespielt habe. 

Das Kleid zur Kommunion

Wir fuhren also vom Land in die Stadt. Bummelten durch die großen Kaufhäuser und kleinen Boutiquen. Irgendwie gefielen uns aber diese kitschigen rüschenverzierten weißen Minihochzeitskleider alle nicht. So wunderschöne Kleidchen wie es die heute gibt, waren leider damals noch nicht auf dem Markt.

Nach vielen Überlegungen und guten Argumenten meiner Mutter, siegte die Vernunft auf beiden Seiten und wir kauften das dunkelblaue Trägerkleid mit kleinen weißen Punkten, in das ich mich in einem der Läden verliebt hatte. Ich weiß wie wohl ich mich in diesem fast bodenlangen Kleid mit der wundervollen weißen Bluse gefühlt habe. Schon auf der Rückfahrt freute ich mich auf das Blumenkränzchen, das meine Mutter mir dazu versprochen hatte.

Das habe ich sogar heute noch. Etwas verstaubt, aber die Erinnerungen sind noch immer voll vorhanden. *verliebtguck*

Es dauerte dann unendlich lange bis der große Tag endlich kam. Ich erinnere mich nicht mehr wo wir Essen waren. Ich weiß nur von Fotos, dass die Kaffeetafel in unserem Wohnzimmer stand. Und an die Messe und die eigentlich Zeremonie fehlt auch alles in meinem Hirn.

Aber dieses Gefühl, den ganzen Tag in diesem tollen Kleid im absoluten Mittelpunkt zu stehen, daran erinnere ich mich.

Die Kommunion

Ich weiß nur aus Erzählungen meiner Mutter und von ein paar Klassenkameraden, wie die erstaunten, angewiderten, verwunderten und erschrockenen Blicke der anderen Eltern, Kommunikanten und vor allem des Pfarrers ausgesehen haben. Ich aber fühlte mich großartig in meinem tollen Kleid. Ich habe es quasi gar nicht mitbekommen wie um mich herum die Nasen gerümpft wurden. Ich denke aber spätestens an diesem Tag habe ich gelernt, dass es völlig egal ist was Andere über Einen denken. Viel wichtiger ist, was du selber denkst. Wieviel Selbstbewusstsein du zulässt. Ist doch egal was die Anderen sagen, denken, lästern, tratschen, belächeln oder doof finden. Sei Du selbst, dann hast Du Spaß!

Ich fühlte mich großartig in meinem Kleid. Ich war ein stolzes Kommunionkind in einem Kleid, das ICH geliebt habe, mit einem Blumenkränzchen, das ich noch heute wie einen Schatz hüte und es blieb mein Leben lang so, dass ich lieber etwas anzog und anziehe, in dem ich mich wohl fühle und nicht das, in dem mich die anderen Menschen sehen wollen.

Natürlich ziehe ich heute kein weißes Kleid zu einer Hochzeit an, und wenn Abendgarderobe auf der Einladung gewünscht ist, dann erscheine ich selbstverständlich im langen Abendkleid. Und ich bedecke auch die Schultern wenn ich eine Kirche, Moschee oder Sonstiges betrete.

Aber zu meiner Kommunion war ich gerne der Kleid-Skandal im Dorf. *zwinker*

Die Schuhe

Am Tag der Kommunion selber hatte ich zum Kleid weiße Sandalen an.

Ich weiß aber noch wie wir zu dem praktischen Kleid, dass ich natürlich lange und zu allen möglichen Gelegenheiten noch anziehen konnte, später dann mal neue Schuhe aussuchten. Ich wünschte mir so weiße Lackschuhe, die in jedem, aber auch wirklich JEDEM der bisher besuchten Geschäfte unter den Kinderschaufensterpuppen mit den weißen Hochzeitskleidchenimmitationen gestanden hatten. Doch diese sollten leider doppelt so viel kosten, wie die blauen Sandalen, die meine Erziehungsberechtigte auserkoren hatte und die ich dann den gesamten Sommer noch würde tragen können. *augenroll* Grottenhässlich von oben bis unten, von rechts bis links, von der Sohle bis zur Schnalle. Selbst heute noch habe ich sofort wieder das Gefühl klar im Magen, das mir kam wenn ich an diese Schuhe dachte. Während ich das hier schreibe kommt das gesamte Unverständnis in mir wieder hoch, wie man so hässliche Schuhe zu so einem tollen Kleid aussuchen kann. Bis heute hatte ich nie wieder Schuhe, die eine solche Sohle hatten.

Aber meine Mutter weigerte sich mir wieder weiße Sandalen zu kaufen. *wütenddiearmeverschränk*

Und Heute?

Bis heute bin ich meiner Mutter dankbar, dass sie mir beigebracht hat nicht immer das tragen zu müssen, was gerade „IN“ ist, sondern lieber dass, was gerade budgetmäßig „DRIN“ ist. *zwinker*

Meine Schwägerin, der ich bei der Kommunion meines Neffen am letzten Wochenende von diesem Blogbeitrag erzählt habe, regt sich heute noch gerne darüber auf. Sie findet es unmöglich ein Kind im blauen Kleid zur Kommunion zu schicken.

Ich mag es wenn bei evangelischen Konfirmationen die Kinder tragen dürfen was sie möchten. Mir sind die Sitten und Regeln der katholischen Kirche allerdings schon immer ein Dorn im Auge und ich bin auch deshalb aus der Kirche ausgetreten.

Unser Pfarrer damals war sehr sehr streng. Es durften z.B. Mädchen keine Messdiener werden, was in Nachbargemeinden aber bereits ging. Für das Gruppenfoto zur Kommunion wurden alle Jungs in die hinteren Reihen sortiert und die Mädchen auf die vorderen Stufen der Treppe. Ich erinnere mich zum Glück nicht wie es für mich war auf dem Gruppenfoto vor der Kirche ganz hinten, hinter den Jungs stehen zu müssen. Mich stört es auch bis heute nicht wenn mir das Foto mal in die Hände fällt. Das darf ich natürlich hier nicht veröffentlichen, aber du musst dir einfach nur vorstellen:
Erste und zweite Reihe: ca. 25 Mädchen in kleinen Hochzeitskleidern
Dritte und vierte Reihe: ca. 25 Jungen in dunklen Anzügen
und zwischen den Jungenköpfen guckt ein fröhlicher kleiner Lockenkopf mit Blumenkränzchen glücklich in die Kamera.

Ich erinnere mich mit welchem Stolz ich mein Kleid getragen habe und wie schön ich mich fand. Mir ist heute noch immer egal was Andere über mich denken und ich ziehe schon immer das an worin ich mich wohl fühle.

Danke Mama! 🙂

Was sagst du dazu? Lieber ein hässliches weißes Kleid weil „alle machen das so“ oder das wunderschöne blaue Kleid weil es so wunderschön und es egal ist „was die Anderen denken“ und die es sowieso nur maximal 2 Stunden an dem Tag gesehen haben?

Früher war alles besser? Mein Vater hat zu seiner Kommunion kurze Hosen und Kniestrümpfe getragen. Würde heute auch keiner mehr wagen. Oder doch?


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