Der große Streit um das Verkleiden als Indianer – Sollten auch Kindergeburtstage unter dem Motto verboten werden?

Ich rege mich selten über Diskussionen im Internet auf, aber ab und an nehmen die immer merkwürdigere Formen an. Ein Thema, was quasi die Internet-Welt spaltet, ist diese Woche: Das Verkleiden als Indianer. Da muss ich einfach meine Meinung zu loswerden, denn ich finde es großartig, dass es auch noch immer solche Kostüme wie Piraten, Cowboy & Co. gibt und nicht nur noch die neumodischen Helden wie die Eiskönigin, Ladybug und Masken im Pyjama aus den aktuellen Lieblingsfernsehserien.
Ich habe schon einige Konzepte für Indianer Geburtstage geschrieben und werde das auch weiterhin ohne schlechtes Gewissen tun.

In einer Hamburger Kita wurden die Eltern gebeten Ihre Kinder nicht als Scheich, Indianer oder sonstige Kostüme, die diese Stereotype bedienen, in den Kindergarten zu lassen.
Die Online-Elternwelt hat das Aufregerthema direkt aufgegriffen und die Fronten sind ähnlich verhärtet wie bei den Impfdiskussionen. Die Einen zitieren einen im Rheinland lebenden Indigenen, der sich durch die Verkleidung als Indianer verletzt fühlt. Die  Anderen, und dazu gehöre ich, finden es total übertrieben darüber überhaupt zu diskutieren.

Ich verstehe das Drama ehrlich gesagt nicht. Niemand zielt mit einer Verkleidung darauf ab Jemand anderen zu Beleidigen. Im Gegenteil! Man verkleidet sich doch nicht als Jemand um eine politische Aussage zu treffen, sondern weil man ihn/sie toll findet und so sein möchte wie er/sie. Ich finde es eine tolle Huldigung sich im Karneval als sein „Vorbild“ verkleiden zu wollen. Sei es nun Spiderman, ein Astronaut oder eben ein Indianer. Fühlen sich die Chinesen, Römer, Brasilianer, Franzosen, Spanier oder Bayern denn auch angegriffen? – Wenn wir so weitermachen bestimmt!
Sollen wir uns nur noch als Obst oder Gemüse verkleiden dürfen?

Natürlich sind die Indianer diskriminiert worden, natürlich ist da EINIGES schief gelaufen, aber ist es darum verwerflich sich heute noch als seinen Helden aus Kindertagen und Lieblingsfilmen zu verkleiden?
Weil unsere Vorfahren, die Einwanderer aus Europa, vor ich weiß nicht wie viel Generationen in den USA diesen großen Fehler gemacht haben?

Ich finde nicht.

Und was bitte ist an einem Scheich falsch? Welcher unterdrückten Minderheit gehören die an? Und welches Stereotyp fühlt sich denn dann nicht angegriffen. Darf ich mich noch in Regenbogenanzüge werfen, oder gehen dann die Schwulen auf die Barrikaden?

Aber zum Glück gibt es auch Menschen die mich verstehen. Nadine kommentierte auf Facebook so: „Ich verstehe trotzdem den Zusammenhang zwischen hanebüchen-diskriminierender Gesetzgebung in den USA und dem Interesse an einer Kultur und deren Trachten hier nicht. Symbole haben immer nur in einem (homogenen) kulturellen Raum eine spezifische Bedeutung. Schon allein deswegen bemächtige ich mich keiner nativen Symbolik, wenn ich mir zwei Federn ins Haare stecke. Für die Sioux bedeutet dies das eine, für mich eben nicht. Buddhisten haben ehrwürdige Statuen in Tempeln, wir kaufen die bei Butlers als Deko fürs Regal. Auch nicht diskriminierend gemeint. Hab mir neulich einen Kimono gekauft. Weil er gemütlich ist. Was er für traditionelle Japanerinnen bedeutet, kann ich nicht sagen. Ist aber garantiert nicht antijapanisch gemeint.“

Wenn Menschen Fatsuits tragen, müsste ich mich als molliger Mensch dann angegriffen fühlen? Wenn sich Menschen Lockenperücken aufsetzen, sollte ich mal nachdenken was sie mir damit sagen wollen? Fühle ich mich als Frau unterdrückt wenn ein Mann sich aus Spaß als Frau verkleidet? Und die verkleideten Teufel, huldigen die dem Satanskult.

Ich finde wir übertreiben ein bisschen. Aber, so sagen die Wissenschaftler, ist das, wenn die Menschheit sich nicht mehr über Krieg und Hunger aufregen kann, dann suchen sie sich andere Themen.

Kaum ein Kind kennt doch heutzutage Winnetou & Old Shatterhand. Es ist doch wohl eher Yakari der da imitiert wird. Sollen wir die Fernsehserie dann auch lieber verbieten? Und vor allem die Verkleidung als Cowboy, die waren es schließlich die die Indianer bekämpft haben.

Karneval ist das Fest, mit dem der Winter ausgetrieben wird. Karneval ist das Fest, an dem vor der Fastenzeit bis Ostern nochmal richtig gegessen, getrunken und genossen werden kann. Karneval ist für mich das Fest um in Kostüme und andere Rollen zu schlüpfen und Spaß zu haben. Und auch wenn die Aussagen auf den Festwagen der Karnevalsumzüge inzwischen politisch motiviert sind, sind die Kostüme, die die meisten Jecken tragen, für mich keine politische oder rassistische Aussage.

Karneval gibt es in Rio (das wird demnächst in Verruf geraten weil die Damen viel zu sexy gekleidet sind) und in Venedig (da gilt demnächst das Vermummungsverbot). Das gibt es in Holland (ich weiß politisch korrekt wären die Niederlande!) und eigentlich überall auf der Welt. Ich bin gespannt ob die Indianerkostüme wirklich aussterben.

Das sagen übrigens die Karl-May-Festspiele zu der Diskussion:http://dnn.de/Nachrichten/Panorama/Indianerkostueme-unerwuenscht-So-reagieren-die-Karl-May-Spiele-auf-die-Debatte

Und wenn ich den Indigenen aus Köln/Düsseldorf richtig verstanden habe, dann gibt es den „Indianer“ überhaupt gar nicht. Was es für mich noch absurder macht. Denn dann verkörpern die als Indianer verkleideten Menschen doch erst Recht Ihre Helden aus einem Film. Also eine Kunstfigur.

Ich werde meinen Kindern weiterhin erlauben Indianer im Fernsehen zu gucken, sich so zu verkleiden und auch keinem Kunden einen Indianer-Kindergeburtstag ausreden. Es reicht schon wenn ich von den Kunststoff-Strohhalmen und den Plastik-Give-Away-Tüten abrate. 🙂


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